Reifenabrieb – die unsichtbare Gefahr auf unseren Straßen: 

Während der Abgasskandal die Autoindustrie erschütterte, rückt nun ein bislang unterschätztes Risiko in den Fokus: winzige Partikel aus Autoreifen, die nicht nur ganze Lachspopulationen bedrohen, sondern auch unsere Gesundheit. Neue Erkenntnisse zeigen, wie giftige Quinone aus Reifenabrieb in Luft, Boden und Gewässer gelangen – und welche Folgen sie für Mensch, Umwelt und sogar ungeborenes Leben haben können. Der Artikel beleuchtet, warum das Thema jetzt dringlicher denn je ist, welche Gefahren bestehen und welche Maßnahmen notwendig wären, um die unsichtbare Belastung endlich sichtbar zu machen.

Gesund bleiben an der Fernpassstraße


Luftschadstoffe

Es ist nicht verwunderlich, dass LH Mattle und Europarechtler Prof. Obwexer argumentieren, die Verkehrsbeschränkungen wie Tempolimits, Blockabfertigungen und Nachtfahrverbote sind zur Erhaltung der Gesundheit der Tiroler*innen notwendig. Das ist absolut richtig, doch was haben die Einspurigkeit der Brennerautobahn und daraus folgend die Zunahme des Verkehrs am Fernpass mit unserer Gesundheit zu tun? Bei uns nimmt der PKW und Schwerverkehr stetig zu.

 „Wir sind täglich im krankmachenden Bereich“ und „200 bis 300 Todesfälle gibt es in Tirol laut Dr. Fuchsig, dem Umweltreferenten der Tiroler Ärztekammer, jedes Jahr aufgrund von Feinstaub“. Welche nachgewiesenen Daten dazu gibt es? Wie gefährlich ist die Situation entlang der Fernpassroute?

Was ist gefährlich?

Stickoxide ( NO₂ als auch NOX) : Sie entstehen im Straßenverkehr bei der Verbrennung von Kraftstoffen. Vor allem durch die technische Verbesserung der LKW konnte in den letzten Jahren der Ausstoß stark reduziert werden. 

Feinstaub entsteht im Straßenverkehr durch die Verbrennung von Kraftstoffen und den Abrieb der Autoreifen. Das betrifft also auch Elektrofahrzeuge. Bei der Holzheizung kommt es ebenfalls zur Entstehung von teilweise großen Luftbelastungen in Form von Feinstaub. Man unterscheidet den Feinstaub nach der Größe der Teilchen in PM 10, PM 2,5 und PM 1,0, wobei gilt je kleiner desto gefährlicher sind die Feinstaubteilchen für den Menschen.

Schwefeldioxid entsteht bei der Verbrennung von Treibstoffen.

Benzopyren findet sich in den Abgasen von Autos und im Tabakrauch. 

 

Ozon entsteht bei der Verbrennung von Treibstoffen.

Lärm der durch den Verkehr entsteht, führt zu Dauerbelastung.

 

Was lösen die Belastungen aus? 

Stickoxide ( NO₂ als auch NOX) : Atemwegserkrankungen wie Asthma, Allergien, COPD 

 

Feinstaub PM 10: Atemwegserkrankungen wie Asthma, Allergien, COPD, möglicherweise Demenz, Lungenkrebs 

Feinstaub PM 2,5: geht in die Blutbahn auch beim Ungeborenen, gleich wie PM 10, Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenkrebs 

 

Schwefeldioxid: Atemwegserkrankungen wie Asthma, Allergien, COPD 

Benzopyren: Es ist eigentlich ungiftig, wird jedoch im Körper zu einer giftigen Substanz umgebaut, die unsere Erbsubstanz verändern und Krebs auslösen kann, geht in die Blutbahn auch beim Ungeborenen, Lungen- und Hautkrebs.

Ozon: Atemwegserkrankungen wie Asthma, Allergien, COPD 

Lärm: Schlafstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall, erhöht das Risiko, das durch die Luftschadstoffe ausgelöst wird zusätzlich 

 

 Immissionsgesetz Luft (IG-L vom 23.7.25) 

Das Immissionsgesetz Luft (IG-L vom 23.7.25) verpflichtet den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und den Landeshauptmann zu Einhaltung der Luftgrenzwerte und zum Einschreiten, sollten diese überschritten werden. 

Wenn es um die Transitbelastung im Unterland und Wipptal geht, ist die Belastung der Gesundheit immer ein Thema, um die Maßnahmen zur Beschränkung des Verkehrs zu argumentieren.

  • LH Mattle 25.2.2024: Es ist genug mit der Belastung. Jeder und jede sieht und spürt, dass entlang des gesamten Brennerkorridors Gesundheit, Umwelt und Infrastruktur überstrapaziert sind.
  • Walter Obwexer: Die Tiroler Maßnahmen sind alle EU-konform ausgestaltet. Sie sind auf den Schutz der Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung sowie die Funktionsfähigkeit der Autobahn gestützt...

Anders sieht es beim Fernpass aus:
So liest man in einem Schreiben des Landes Tirol: 
Zitat: "Das Land Tirol betreibt ein umfangreiches Luftgütemessnetz mit aktuell rund 20 Messstellen. Auf Basis dieser Messungen lassen sich wissenschaftlich belastbare Aussagen über die Einhaltung bzw. allfällige Überschreitungen geltender Grenzwerte für das gesamt Landesgebiet treffen."
Das sind allerdings Halbwahrheiten nach dem Motto : Wir streuen der Bevölkerung Feinstaub in die Augen.

Was steht im Luftgütebericht des Landes Tirol? 

„Im Jahr 2023 wurden die gesetzlichen Grenzwerte für NO₂ als auch NOX gemäß IG-L eingehalten. Damit besteht keine Notwendigkeit einer Statuserhebung gemäß § 8 IG-L. Dieselbe Feststellung wird für Benzopyren, den Feinstaub PM 10 und PM 2,5 verwendet.“ 

 

Jetzt könnte man meinen, die Feststellung von Dr. Fuchsig mit 200-300 Toten pro Jahr wäre übertrieben. Ein genauerer Blick zeigt, wo in unserem Lebensraum im Oberland Luftschadstoffe gemessen werden: Während es im Unterland 7 Messpunkte gibt finden wir an der Fernpassroute nur 3 Messstellen in 

 

1.     Imst InntalautobahnStickstoffdioxid (NO₂), Stickstoffmonoxid (NO), Feinstaub (PM10) 

2.     Heiterwang OrtStickstoffdioxid (NO₂), Stickstoffmonoxid (NO), Feinstaub (PM10), Ozon (O₃),                    Benzopyren, seit März 2025 auch Feinstaub (PM 2,5) 

3.     Höfen Lärchbichl – Ozon 

 

Wenn man den Luftgütebericht kritisch hinterfragt, muss aus medizinischer Sicht festgehalten werden: 

Wie kann von 2 Messstellen eine Aussage über die Luftgüte von 2 Bezirken getroffen werden? 

1.    Das Land Tirol hat der Bürgerinitiative wortreich geschrieben, dass die Luftgüte überall in Ordnung sei. Im März 2025 wurde nach unserer Kritik in Heiterwang ein Messgerät für die Messung der Feinstaubpartikel (2,5 ) nachgerüstet. Das ist die einzige Messgerät von Innsbruck über Imst bis Reutte. (Wohnbevölkerung Imst und Reutte: 96.433, Stand 2024) 

2.    Die Messstelle Imst misst dort, wo es keine Wohnbevölkerung gibt. 

3.    Die Messstelle Heiterwang misst im Ortszentrum, wo anders als an der Umfahrungsstraße die Belastung durch Luftschadstoffe reduziert ist. 

4.    Kritisch hinterfragt werden sollte der IG-L Grenzwert für Feinstaub. Der Grenzwert des Landes Tirol ist wesentlich höher angesetzt und entspricht weder den Forderungen der EU, die ab 2030 verpflichtend werden, noch denen der Weltgesundheitsorganisation WHO. 


Lärmbelastung: 

Die Richtlinie 2002/49/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärmlegt wesentliche Rahmenbedingungen zur Gesundheitserhaltung fest.

Laut der "Lärmbelastung durch Straßenverkehr Lärmkartierung 2017 - Betroffenenauswertung" nach Gemeinden sind die Gemeinden Mieming, Obsteig und Tarrenz gesundheitsgefährdendem / krankmachendem Lärm ausgesetzt.Trotzdem stellt das Land Tirol in einem Schreiben fest: "Den Stand der Technik zur Ermittlung von Lärmbelastungen durch Verkehrsträger stellt die Berechnung dar. Der Verkehrslärm soll also nicht gemessen werden! Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der "Stand der Technik" zuerst den Lärm zu berechnen und in der Folge, diese Berechnungen mittels Messung zu überprüfen.  

Die Lärmkarte des Umweltministeriums stammt aus dem Jahr 2022 und beruht nicht auf exakten Messungen sondern auf Berechnungen, die durch eine Hochrechnung von Messungen aus dem Jahr 2019 gebildet wurden. 


Die Anzahl der Fahrzeuge am Fernpass hat von 2022 mit 6,4 Mio auf 6,7 Mio zugenommen. Die Lärmkarte wurde nicht aktualisiert und der zusätzliche Lärm wurde nicht gemessen. 

Das hat auch das Land Tirol bei der Errichtung der  

  1. Bichlbach Ost, Linksabbiegestreifen, Lärmschutzwand, Begleitweg und Erhöhung Lärmschutzdamm Lähn
  2. Lärmschutz Neumühle/Lähn und Sanierung Brücke über die Planseestraße

so gemacht.

Das Land Tirol spricht sich in seinen Aussagen anderes, als es selbst tut. Und das geschieht zum Nachteil der Gesundheit der Menschen.


Zusammenfassend könnte man sagen, dass weder Verkehrslärm noch Luftschadstoffe ausreichend kontrolliert bzw. die Bevölkerung davor geschützt wird. Die „Dichte“ von 2 Messstellen an der Fernpassroute erscheint für eine Aussage zu den Luftschadstoffen vollkommen ungenügend. Aufgrund mangelhafter Ausstattung der Messstellen mit Messgeräten werden manche Luftschadstoffe überhaupt nicht gemessen. 

 

Es ist sehr fraglich, ob der gesetzliche Auftrag des Schutzes der Bevölkerung durch diese Vorgangsweise erfüllt wird, da durch die Lückenhaftigkeit der Messungen bereits jetzt eine Gefährdung der Bevölkerung an der Fernpassroute möglich erscheint. Um diese in der Zukunft zu vermeiden, muss die Messdichte, die Geräteausstattung der Messstellen und die Messung des Verkehrslärms deutlich verbessert werden, bevor Baumaßnahmen am Fernpass in Angriff genommen werden. In der Folge muss sichergestellt werden, dass die Dosierampeln bei Überschreitung der Grenzwerte und Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung auf Rot gestellt werden.  

 

Beitrag von Dr. Joachim Strauß